Wiederladen - Präzision selbst gemacht!

Auswahl an gängigen Geschossen

Warum Wiederladen?

Folgende Ladedaten sollten bekannt und durch Nachschlagewerke (DEVA-Handbuch) oder Ballistikprogramme (z. B. QuickLoad) bestätigt sein:

Welche Ausrüstung?

Mehrstationenpresse Dillon 550BBegonnen habe ich mit einer Ein-Stationen-Presse von RCBS - der Rock Chucker! Ich bin sehr zufrieden mit ihr gewesen und ich habe sie auch nach dem Kauf der Progressivpresse behalten, um dort Kleinserien von Probeladungen zu produzieren. Allerdings verläßt einen bei einem Munitionsverbrauch von etwa 300-500 Schuß/Monat schnell die Lust, da man für jeden Arbeitsschritt die Matrizen neu justieren muss. Eine ziemlich langwierige - und nach Erlangung einer gewissen Erfahrung - auch langweilige Tätigkeit!
Meine Neuanschaffung - eine Dillon 550B - schafft die erforderliche "Monatsration" in etwa 1 Std 30 Min! Ermöglicht wird dies durch die karusselartige Anordnung der einzelnen Arbeitsschritte. Die einzigen Handbewegungen, die ich nun nur noch machen muss, sind: Gereinigte Hülse einsetzen, Geschoß aufsetzen, Weiterdrehen des Karussels, Hebel runter, Hebel hoch... usw. Mit jeder Hebelbewegung fällt eine fertige Patrone mit einem satten "Klonk" in die Auffangschale! Eine Schachtel Munition ist damit rubbel-die-katz fertig und man kann wieder im Garten Unkraut zupfen gehen...
Diese Presse ist die weltweit meistverkaufteste Presse und die Firma Dillon gibt eine lebenslange Garantie auf dieses Gerät! Auch der Kundenservice wird weltweit sehr gelobt. Ein weiteres Argument für diese Anschaffung war die schnelle Umrüstung auf andere Kaliber - der Matrizenkopf wird einfach ausgetauscht; die Einstellungen der Matrizen bleiben erhalten und das Laden des anderen Kalibers kann nach Wechseln des Pulvers sofort losgehen! Ein bewährtes Prinzip... (Bilder folgen...)

Wiederladearbeitsplatzdas LadekarusselGeschoss einsetzen4-Stationen PresseDie 4 Stationen

Was macht ein Wiederlader?

Hülsen vorbereiten

AusstoßermatrizeZur Vorbereitung der Hülsen zähle ich die Kontrolle, das Reinigen und das Ausstoßen der benutzten Zündhütchen. Ich selbst kontrolliere die Hülsen bevor ich sie reinige - dabei achte ich auf Aufbauchungen, aufgeblasene Zündhütchen, Risse oder Verfärbungen des Materials. Ich benutze meist Hülsen, die ich alle selbst gekauft und verschossen habe - so weiß ich immer, wieviele Wiederladevorgänge diese Hülsen bereits hinter sich haben. Würden beispielsweise bei der 5. Rotation Risse auftauchen, werde ich mit ziemlicher Sicherheit den gesamten Hülsenvorrat zum Schrotthändler bringen.
Gereinigt werden die Hülsen in einem Gerät, welches sie in einem Granulat so lange rotieren läßt, bis sie innen und aussen blitzeblank sind. Man kann sie auch in einem Wäschesack in die Waschmaschine tun - allerdings sollte man dann auch auf eine perfekte Trocknung achten. Dazu eignet sich der Backofen der Frau hervorragend. Nur das Saubermachen nicht vergessen - sonst hat man ein Problem zu Hause und nicht auf dem Schießstand!

Hülsen auf Maß bringen

Hülsen weitenUm alle Abweichungen, die Hülse, Geschoß oder Pulvermenge mit sich bringen, so klein als möglich zu halten, versucht man natürlich immer die gleichen Voraussetzungen zu schaffen. Wiederlader nennen diesen Arbeitsschritt Kalibrieren. Das bedeutet, daß man möglichst alle Maße der Patrone auf das der Originalpatrone bringt. Wenn die Hülsen also gesäubert wurden, stellt man die Patrone in den Hülsenhalter der Presse, in die vorher die Ausstoßermatrize eingeschraubt und justiert wurde. Mit einem Auf- und Ab der Presse wird die Patrone außenkalibriert und gleichzeitig das alte Zündhütchen ausgestoßen.

Im nächsten Schritt weite ich den Hülsenmund mittels der Hülsenweitmatrize soweit, daß ein Geschoß, welches man probeweise einsetzt, 1 - 2 Millimeter in die Hülse rutscht und aufrecht stehen bleibt. Das gewährleistet ein schnelleres Arbeiten beim Geschoßsetzen, da man ein Verkanten des Geschosses beim Einpressen in die Hülse weitgehend vermeidet. Einen geweiteter Hülsenmund ist am einfachsten mit einem kleinen Trichter vergleichbar.

Zündhütchen setzen

Zündhütchen setzenDas Einsetzen der Zünder sollte man nur mit aufgesetzter Schutzbrille erledigen, da es hier auch einmal zu Zündungen kommen könnte! Aber keine Sorge - dieser Fall ist bei mir noch nie eingetreten. Das Einsetzen der Zündhütchen kann durch ein Handsetzgerät oder durch eine Vorrichtung geschehen, welche an den meisten Ladepressen angebracht ist. Ich persönlich bevorzuge bei Benutzung einer Einstationenpresse die Nutzung eines Handsetzgerätes, da durch das Zündhütchenmagazin ein schnelles Setzen ermöglicht wird. Bei der Dillon 550B geschieht das Entfernen des alten und Setzen des neuen Zündhütchens automatisch in der Station 1. Dabei wird mit sanftem Druck das Zündhütchen in die Zündglocke des Patronenbodens gepresst. Hierbei sollte darauf geachtet werden, daß das Zündhütchen mindestens plan mit dem Hülsenboden abschließt.

Pulver wiegen und abfüllen

Redding PulverfüllerBevor das Treibladungspulver in die Patronenhülse gefüllt werden kann, sollte man prüfen, ob man die richtige Pulversorte bereithält und alle nötigen Ladedaten für die herzustellende Munition bekannt sind. Das Pulver füllt man in den Pulverfüller (idealerweise immer zu 3/4 füllen) und den Trickler. Bei der Einstellung des Pulverfüllers sollte man beachten, daß - je nach Pulverart - nie exakt gleiche Schüttungen zustande kommen. Abweichungen im Bereich von 0,2 grain sind vertretbar. Alle Patronen werden durch eine Sichtprüfung von oben kontrolliert - Fehl- oder Doppelladungen können dramatische Folgen haben! Auch wiege ich vor dem Geschoßsetzen stichprobenartig einzelne Patronenfüllung nach.

Den vorher genannten Pulvertrickler stelle ich immer so neben die Waage, daß das Tricklerrohr über der Waagschale positioniert ist. Somit kann ich bei Ladungen, bei denen ich wirklich zu 100 % identische Füllungen garantieren möchte, die fehlenden Pulverkörnchen direkt auf die Schale werfen. Das bedeutet aber, daß der Pulverfüller so justiert wurde, daß er zuverlässig 0,2 grain weniger als geplant auswirft. Balkenwaage

DigitalwaageMaßeinheiten: Um die Genauigkeit realisieren zu können, die für das Wiederladen erforderlich ist, muss man Maßeinheiten benutzen, die weit unterhalb eines Gramms liegen. Man benutzt das englische Grain.
1 Grain sind 0,06479891 Gramm - eine Menge die schwer vorstellbar ist. In der Praxis bedeutet das, daß eine handelsübliche Tüte Zucker 15.432,35 grain wiegen würde - irre, nicht wahr?

Geschoß setzen

MatrizensatzDie Krönung des Wiederladevorgangs ist sozusagen die "Hochzeit" von Hülse und Geschoß. Das Geschoß wird dabei in den geweiteten Hülsenmund gesetzt und mittels der Geschoßsetzmatrize in die Hülse gedrückt. Dabei ist penibel darauf zu achten, daß der Setzstempel das Geschoß nicht zu weit in die Hülse drückt. Eine solche Patrone muss delaboriert - d. h. entladen werden. Das geschieht meist mit einem Entladehammer - eine mühsame und laute Angelegenheit. Ich besitze für meine Kaliber allerdings mittlerweile Geschoßziehmatrizen, ein Hoch auf den Wiederlade-Zubehör-Markt!
Maßgeblich für die Setztiefe ist die geplante OAL (Gesamtlänge der Patrone), die als wichtiges Ladekriterium bekannt sein muss. Ein Verändern der Setztiefe hat einen nicht unerheblichen Einfluß auf die Entwicklung und Charakteristik des Gasdruckes! Eine unpräziser Schuß wäre noch die angenehmste Folge einer solchen Patrone...

Das Crimpen

Wenn die Patrone nun vom Patronenboden bis zur Geschoßspitze genau dem Maß der gewünschten OAL entspricht, sollte der Hülsenmund so an das Geschoß angelegt werden, daß es fest sitzt. Dabei gibt es verschiedene Arten des Crimpens:

Nun ist die Patrone fertig... und nun? Der verantwortungsvolle Wiederlader wird für jeden Ladevorgang einen Ladezettel ausfüllen, der alle relevanten Ladedaten, sowie das Datum und eine eventuelle Notiz enthält. Diesen Ladezettel lege ich persönlich jeder Patronenbox bei, die im Munitionstresor verschwindet. Nach einigen Tagen oder Wochen weiß nämlich niemand mehr, worin sich die Patronen unterscheiden. Hier kann ein Vordruck heruntergeladen werden.

Wo bleibt die Präzision?

Gute Frage! Gegenfrage: Wer findet die Nadel im Heuhaufen? Ein wirklich weites Feld mit unendlich vielen Möglichkeiten... Und gesicherte Erkenntnisse erlangt man eigentlich nur, wenn man die zu testenden Ladeproben auf einem Schießstand in einer Ransom Rest und einem Geschwindigkeitsmeßgerät testet. Allerdings haben folgende Faktoren bekanntermaßen wesentlichen Einfluß auf den Gasdruck, damit auch auf die Geschwindigkeit und letztendlich auf die Präzision:

Ist das sicher?

LadebrettJa! Trotzallem: Als Wiederlader trägt man eine große Verantwortung, da man seine Patronen ja meist auf Schießständen abfeuert, auf denen auch andere Personen anwesend sind. Daher sollte man Fehler bei der Herstellung tunlichst vermeiden. Das beginnt schon damit, daß man den Arbeitsplatz immer übersichtlich und aufgeräumt hält. Ein Beispiel: Im Bild sieht man ein Ladebrett, von denen man mehrere besitzen sollte, um die Arbeitsschritte optisch und räumlich voneinander trennen zu können. Wenn beispielsweise das Pulver eingefüllt wurde, werden diese Patronen in ein anderes Ladebrett gestellt.
Tipp: Ladebretter kann man sich auch leicht selbst herstellen - ein dickes Brett und ein Holzbohrer in Kalibergröße (+5 mm) - mehr braucht man nicht!
Das Raucher ihre Glimmstengel im Wohnzimmer lassen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Trotz aller Vorsicht sind Unfälle beim Wiederladen aber durch Unachtsamkeiten möglich. Zu den häufigsten Ursachen für Vorfälle dieser Art zählen daher:

Darf ich das auch?

Ja, aber wer völlig selbstständig Patronenmunition wiederladen möchte, muss sich vorher einigen Zwängen des Waffen- und Sprengstoffgesetzes (SprengG) unterwerfen. Da zwar im Prinzip jede Person - unter Aufsicht eines Berechtigten - die Wiederladetätigkeit ausführen dürfte, ist zum Erwerb von Treibladungsmitteln aber eine Erlaubnis nach §27 des SprengG (auch kurz Sprengstoffschein oder Sprengpappe genannt) erforderlich. Diese wird von der zuständigen Ordnungsbehörde nur erteilt, wenn:

  1. ein Bedürfnis erkannt wird (z. B. Besitz von Schußwaffen als Sportschütze, Böllerschütze im Traditionsverein etc.)
  2. ein anerkannter Lehrgang zum Umgang mit Treibladungspulvern erfolgreich absolviert wurde (Zeugnis nach §32 der Ersten Verordnung zum SprengG)
  3. der Lagerort des Treibladungsmittels den rechtlichen Bestimmungen entspricht (kann vom OA geprüft werden)

ZeugnisPulverscheinPulverschein

Bedingung für die Teilnahme an diesen Lehrgängen ist wiederum eine Unbedenklichkeitsbescheinigung nach §34 Abs.2 der Ersten Verordnung zum SprengG, die auch wieder das zuständige Ordnungsamt ausstellt.

Ich hoffe, daß ich den neugierigen Besucher dieser Webseite vielleicht ansatzweise nahebringen konnte, daß diese Materie ein recht spannende Geschichte sein kann - auf der Ursprungseite gehe ich zusätzlich noch auf einige Berechnungen ein, die aber nur die Praktiker interessieren dürften.

Glossar

  • OA = Ordnungsamt
  • Tumbler = Granulatreinigungsgerät
  • OAL = Overall Length (Gesamtlänge der Patrone)
  • Matrize = Ladepresseneinsatz
  • Ransom Rest = Maschine, in der Waffen eingespannt und abgefeuert werden können
  • Primer = Zündhütchen
  • DEVA = Deutsche Versuchs- und Prüfanstalt für Jagd- und Sportwaffen e.V.
  • Entladehammer = Hammer mit hohlem Hammerkopf zur Aufnahme einer Patrone, der diese mittels Fliehkraft delaboriert (entlädt)
  • Ladebrett = ein Brett, in das die zu ladenden Patronen mit der Öffnung nach oben gestellt werden können
  • Grain/gr = Maßeinheit 1 gr = 0,0648 g
  • Crimp = Art der Geschoßfixierung (-pressung)
  • Trickler = Pulvertröpfler zur körnchengenauen Dosierung
  • QuickLoad = bekannte Wiederlade-Software von Dipl.-Ing Hartmut Brömel
  • DSB = Deutscher Schützenbund (größter deutscher Schützenverband)
  • MIP = bei Großkaliberwettkämpfen des DSB ist wegen Chancengleichheit dieser errechnete Wert vorgeschrieben - es werden stichprobenartige Kontrollen durchgeführt
  • Progressivpresse = Mehrstationen-Presse
  • Dillon = Dillon Precision Products, Inc., Wiederladeartikelhersteller
  • RCBS = Wiederladeartikelhersteller